Welch keiner hat abgekupfert? Microsoft oder auch nicht der FFII? (arebenti)
Schutz für die Softwareentwicklung
Für die PR nach der endgültigen Council-Abstimmung, wenn die Richtlinie in zweite Lesung ins Parlament geht, hatte ich vor langer Zeit die Idee unsere Forderungen
- 1. Keine Programmansprüche!
- 2. Technizitätsdefinition (DV kein Gebiet der Technik, "technisch" nach deutscher Naturkräftetheorie)
- 3. Industriedefinition
- 4. Interoperabilitätsprivileg
in Form eines Schutzschildes gegen Softwarepatente umgesetzt.
Das wird noch mit einem Erklärungstext je nach Dokumentart näher ausgeführt und erklärt. In Arbeit ist seit langem ein 6-10 Seiten Dokument, ein mittelgroßes Poster, und ein Faltblatt.
Nachgemacht?
Etwas verwundert war ich als ich die eine Installation des Servicepack 2 für XP von Microsoft zu Gesicht bekam. Microsoft benutzt die gleichen Kernfarben in seinem XP-Logo (RGB+Gelb). Weil das Servicepack 2 sich der bekannten Sicherheitsprobleme der Plattform annimmt, hat man auch hier das Ganze mit einem Schutzschild visualisiert, das meiner eigenen unabhängigen Kreation verblüffend ähnlich sieht. Dieses Schutzschild wird auch gerne in der Fachpresse abgebildet. Das omnipräsente Ikon zum neuen "Securitycenter" auf jedem XP-Rechner mit SP2 aktiv.
Mein eignes Schild entstand unabhängig. Ein Schild ist eine in unserem Kulturkreis naheliegende Metapher für Schutz, und deshalb habe ich sie ja auch gewählt. Rot, grün, blau, gelb sind ganz einfache elementare Palettenfarben. Ich schätze, dass Microsofts Designer bei mir genauso wenig abgeguckt haben wie ich bei ihnen. "Schilde" wurden von Sicherheitssoftware auch zu einem früheren Zeitpunkt verwendet --- und in der "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" gibt es Schilde allemal seit Jahrtausenden. Ausserdem agieren MS und FFII in ganz anderen Feldern, Microsoft stellt Software her und der FFII sichert die Freiheit der Entwickler als politische Interessenvertretung.
Rechtlich kein Grund zur Sorge. Ich glaube auch kaum, dass Microsoft das Interesse hat, uns die Nutzung des 'Schutzschildes für das Problem der Softwarepatente' zu untersagen oder andersherum wir rechtlich gegen sie vorgehen sollten. Solches Querulatentum führt nämlich über kurz oder lang ein Rechtssystem an seine Grenzen.
Tatsache ist freilich, dass nun der Eindruck entstehen wird, der FFII habe abgekupfert, denn der umgekehrte Weg wird von den meisten Betrachtern wohl als unwahrscheinlich eingeschätzt. Oder gar: 'XP schütze vor Softwarepatenten'. Oder gar: 'Unser Schutzschild schützt vor Softwarepatenten genauso gut wie das Servicepack von Microsoft vor den Sicherheitsproblemen in XP'.
Das neue Schild
im XP-Securitycenter "Indicates important security information and settings.". Nun denn. Unsere Originalität wird geschmälert durch die Medienpräsenz des MS-Schildes. Mir ist das alles egal. (Vielleicht doch andere Farben, aber zusammen mit den ganzen Dokumenten müsste das wieder viel lästige Arbeit für nichts werden... vielleicht lieber lassen). Nein, das Schild ist gut, genauso so wie es ist. Nur das Englisch und die Formulierungen müssen noch überprüft werden.
Hintergrund zum Schutzschild
Der Vorteil meiner Schilddarstellung ist, dass sie den schädlichen Negativismus vermeidet, der jedem anhaftet, der die Verkehrssitte gegen die feindliche Übernahme der Patentjuristen verteidigt. Plötzlich ist man "dagegen", und wer "anti" ist, der wird schnell als sympathischer Rebell gegen angebliche wirtschaftliche Interessen wahrgenommen. Die 'Softwarefreaks', die 'Softwarepatentgegner', oder gar Streiter für 'frei zugängliche Software für alle'?!(Heute Journal).
Kommen dann noch Underdog-Advokaten auf die Idee das Richtlinienvorhaben als Verschwörung der "Megacorporations" zu titulieren, dann ist die Umkehr der Beweislast perfekt. Und die Patentjuristen stellen den Sekt kalt.
Die jeweiligen dazugehörigen Texte sollen Negativität vermeiden. Statt eine abstrakte Gegnerschaft (No swpat) zu artikulieren, werden operationalisierbare, das heisst in die Richtlinie zu übernehmende, Stichwörter für Änderungsvorschläge hervorgehoben. Die schwer kommunizierbaren rechtlichen Feinheiten werden durch die visuelle Verdichtung in ihrer Bedeutung als Hauptsache herausgestellt. Die vier *konkreten* Forderungen des Schildes lösen unser Problem der verkehrsfremden Softwarepatentierung. Wenn wir diese vier Forderungen erfüllt bekommen...
Die Visualisierung mit dem Erklärungstext ist bislang nur im internen Gebrauch gewesen. An die Texte stelle ich einen perfektionistischen Anspruch. Wenn ich als Nicht-Engländer englisch schreibe, mache ich notgedrungen Fehler. Review und die Diskussion, all das braucht Zeit und man hat vieles andere zu tun. Halbgare Texte schreibt man leicht, Feilen an den Inhalten und Formulierungen braucht aber Zeit.
Die farbliche Markierung mit den Grundfarben wird im Text wieder aufgenommen. Die Farben dienen als Anker. Das Schild selbst kann als Erinnerungszeichen in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet werden. Es reduziert Komplexität. Das ganze Protection Shield-Material reift nun schon längere Zeit. Die Grafik ging durch mehrere Stadien und ist noch nicht perfekt. Etwa in der Abgrenzung im "roten Bereich".
Auch ins Patentminenfeld tritt man nicht vorsätzlich
Ganz ähnlich sieht es im Bereich der Softwarepatente aus, gegen die wir mein Schild nutzen wollen. Unbeabsichtigte Patentverletzungen sind leicht für Entwickler, die vollkommen unabhängig voneinander Programme schreiben. Softwarepatente schützen nicht vor Plagierern, sie behindern normale Entwicklung. Das Hauptproblem ist die Breite von Patenten. Häufig formulieren Softwarepatentschriften das Problem in die Lösungsbeschreibung um. Wenn die 'Erfindung' als Lösungsbeschreibung nur das Negativ des zugrundeliegenden Problems ist, wird für die Problemlösung selbst Wettbewerb verhindert. Ganze Klassen von Aufgaben werden dann mit abstrakten Lösungsbeschreibungen in Patentschriften beansprucht. Die Patentschrift selbst muss nicht 'trivial' sein, in den meisten Fällen erlangt der Leser aber keinen Erkenntnisgewinn, der sich nicht schon aus der zugrunde liegenden Aufgabenstellung ergibt. Wo Probleme sind, entwickeln die Softwareexperten Solutions. Diese konkreten Problemlösungen sind der Kern der Meisterschaft, nicht die Probleme an sich.
Beispiel:
- Die Idee Computer zur Übersetzung von Englisch nach Russisch zu benutzen ist relativ einfach abstrakt in allen Möglichkeiten zu beschreiben. Nur an der konkreten, funktionsfähigen Umsetzung beissen sich die Forscher seit Jahrzehnten die Zähne aus.
Anreizszenario
- Manchmal arbeiten Entwickler in einer Firma mit einer großen Rechtsabteilung. Die Rechtsabteilung freut sich, wenn sie mehr Output vorweisen kann und der Entwickler auf die Prämie für seine kleine Anregung, die in einer kruden 27 Seiten Schrift münden wird, die er selbst nicht versteht. Seinen freiberuflichen Kollegen in der Branche macht er damit das Leben schwer. Er ist nicht origineller als sie, aber seine Firma hat Patentjuristen, die mit ihrem Patentoutput auch seine eigene Berufsfreiheit einschränken und mit dem Schrotgewehr auf die Innovation schiessen.
In diesem Sinne beste Aussichten für die Softwarewirtschaft,
Euer
André
Medien *FFII*
Der politische Witz zum Protection Shield
Auf der Sicherheitskonferenz Süstem 2004 hält die Bundesministerin der Justiz Brigitte Zypries eine vielbeachtete Ansprache. Sie erläutert die Planungen der Bundesregierung für ein Patchverbot im Rahmen der Urheberrechtsnovelle zweiter Korb. Die anwesenden IT-Experten begrüßen die Massnahmen. Die IT-Sicherheit ist durch Flickenteppiche nicht erst seit gestern maßgeblich bedroht. In der anschließenden Diskussion fragt der IT-Consultant Fridolin Fiffig die Bundesministerin zu ihrer Meinung zum 'Protection Shield for Software Development' des FFII. Brigitte Zypries betont, dass sie die Frage der Patentierbarkeit computer-implementierter Erfindungen seit langem in ihrem Amt intensiv beschäftige. Sie habe zum Thema einen Runden Tisch eingerichtet. 'Ohne Protektion läuft bei uns im BMJ in dieser Frage gar nichts!', stellte sie klar.
