Prod vs Pred -- Konflikt zwischen Schaffern und Raffern als Welterklärung
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Innerhalb von Softwarefirmen gibt es einen Konflikt zwischen pizzafressenden Programmierern (geeks) und schlipstragenden Kaufleuten+Juristen (suits). Manche kleinere Firmen werden von ersterem Typ gegründet und geleitet, um dann irgendwann in den Besitz letzterer überzugehen, wobei sie oft heruntergewirtschaftet werden oder einen grundlegenden Wandel erfahren. Der FFII hat sich in programmatischen Erklärungen unter anderem als Vertreter der ersteren Gruppe zu positionieren versucht. Manche Theoretiker konstruieren eine Dichotomie von produktiven und predatorischen (ausbeuterischen) Neigungen des Menschen und gar von Prods vs Preds als unterschiedlichen Menschentypen. Die vielleicht uralte und banale Dichotomie scheint in der Informationsgesellschaft neue Bedeutung zu gewinnen.
Beispiele für die Anwendung von "Prod vs Pred" und ähnlichen Dichotomien
Thorstein Veblen "Die Theorie der feinen Leute"
- gilt als Bibel der Pred/Prod-Theorie
Christoph Reuss auf Oekonux zu Prod vs Pred -- der Autor vertritt die Prod vs Pred Theorie besonders nachdrücklich, attackiert regelmäßig seine Argumentationsgegner (einschließlich Autoritäten wie Moglen und Lessig) als "Preds".
Auftrag des FFII -- Punkt 3 auf der statischen Seite erinnert an P/P
Testsuite zur Gesetzgebung über die Grenzen der Patentierbarkeit -- Beispiel für eine der Denkweise von Entwicklern/Ingenieuren entsprechenden Herangehensweise an die Politik
Eben Moglen: DotCommunist Manifesto, stellt "Creators" und "Owners" einander gegenüber.
- Industriekapital vs Finanzkapital -- eine alte Dichotomie, die versucht einen Teil der Kapitalisten den Kräften des Lichts zuzurechnen
- Die Kommunistische Partei Chinas positioniert sich neuerdings als Vertreterin der "fortschrittlichen Produktivkräfte", statt früher des "Proletariats".
- Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering interpretierte 2005 in ähnlicher Weise Marx neu, indem er Finanzkapitalisten als "Heuschrecken" bezeichnete.
Lyndon Larouche und Helga Zepp-Larouche (BüSo) vertreten diese Sichtweise seit Jahrzehnten recht aggressiv.
Bertold Brechts Der gute Mensch von Sezuan stellt einen ähnlichen Konflikt wie P/P dar
- Innerhalb von Hochschulen gibt es einen Konflikt zwischen mehr wissenschaftlich interessierten Professoren und solchen, die sich durch Gremien- und Verwaltungsarbeit durchsetzen. Dieser Konflikt wird in den Romanen "Campus" und "Weißer Jahrgang" von Dieter Schwanitz dargestellt. In Anlehnung an George-Bernard Shaw entstand der Spruch "He who can, does. He who can not, teaches. He who can not teach, administrates." Oder die Mahnung an angehende Musiker: "Übe fleißig, sonst musst du Kritiker werden".
- Richard Wagner erlangte 1848 mit einer revolutionären Rede große Aufmerksamkeit, in der er die Unterjochung des schöpferischen Menschen durch das Geld als Grundübel bezeichnete und einen Gegenvorschlag zu dem soeben erschienenen Kommunistischen Manifest unterbreitete. Man kann mehr in der Wagner-Biographie von Martin-Gregor Dellin nachlesen.
Das in Ostasien hochbeliebte Teledrama Dae Jang Gum stellt einen Gegensatz zwischen der um der Sache und der Menschen willen kreativ mit Kochkunst und Heilkunde umgehenden unpolitischen Heldin und Widersachern am koreanischen Königshof im 16. Jhd. n.Chr. dar, für die diese Künste nur Spielbälle in einem mit harten Bandagen geführten Kampf um politisch-wirtschaftliche Monopole darstellen.
Zusammenfassung
nach Christoph Reuss:
Die P/P-Dichotomie beschreibt 2 gegensätzliche "Werthaltungen", die in Individuen unterschiedlich stark vorwiegen und ihr Verhalten prägen:
- Produzent:
- Erschafft durch eigene Leistung und Intelligenz. Es geht ihm um die Sache, um Inhalte, um das Werk, richtig ist was mit der Realität vereinbar ist, was funktioniert. Typischer Beruf heute: Ingenieur Historische Rollen: Ackerbau, Handwerker, Erfinder
- Predator:
- Erbeutet durch Gerissenheit, List, "Beziehungen". Es geht ihm um Gewinn- und Machtmaximierung als Selbstzweck, er denkt formalistisch und prestige-bezogen: richtig ist die Meinung des Mächtigeren, selbst wenn sie falsch ist (die Diskrepanzen zur Realität müssen ja eh die Produzenten ausbaden). Typischer Beruf heute: Anwalt
Historische Rollen: Jäger&Sammler, Raubritter, Eroberer
Starke Predators haben die Macht -- sie entscheiden falsch über die Verteilung der Ressourcen und den Fortgang der Gesellschaft -- falsch i.S. des Gemeinwohls, "richtig" i.S. ihrer Eigeninteressenmaximierung. Produzenten sind kaum solidarisch untereinander und lassen sich so von den Predators ausbeuten und gegeneinander ausspielen ("prostituieren" sich an Predators). Alle bisherigen "Revolutionen" ersetzten bloss eine Predator-Clique durch eine andere an der Macht. Darum blieben Feudalismus und Kriege bis heute erhalten.
[...]
Die moderne Computertechnik würde es erstmals in der Geschichte ermöglichen, dass Produzenten solidarisch und mächtig werden, indem sie sich per Internet vernetzen, sich selbst organisieren und die schädliche Bevormundung durch Predators überwinden. Dies setzt aber voraus, die P/P-Dichotomie zu erkennen.
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Fragen/Einwände und Antworten
Was hat Thorstein Veblen zu P/P geschrieben?
Antwort
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Wo gibt es sonst noch Theorien zu P/P und Anwendungsbeispiele dafür ?
Antwort
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Es geht hier doch nur um das alte Gut/Böse-Schema, so banal wie Yin/Yang ?
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Antwort
Die Typen Prod & Pred werden durchaus mit Merkmalen in Verbindung gebracht, die nicht bloß aus "gut" und "böse" o.ä. folgen und sich anhand von soziologischen Beobachtungen verifizieren lassen.
- Einfachheit macht eine Erkenntnis nicht unbedingt falsch.
Jeder ist Pred/Prod zugleich
- Es geht um Verhaltensweisen, nicht Menschentypen.
- Jeder behauptet gerne von sich, Prod pur zu sein.
- Niemand sollte sich anmaßen, nur Prod zu sein und im Namen der Prods andere als Preds abzustempeln.
- Das Denunzieren anderer als Preds führt zu Hexenjagden.
Antwort
- Mensch und Verhaltensweise können durch Gewohnheit miteinander verwachsen.
- Wenn Tarnmanöver eine Unterscheidung erschweren, wird der tatsächliche Unterschied dadurch nicht weniger real. Im Gegenteil wird es umso wichtiger, das Tarnmanöver aufzudecken. Leute davon abzuschrecken liegt im Interesse der Preds.
- Es geht nur um Beseitigung der Pred-Macht, nicht der Preds als Personen
Wie will man "Preds" entmachten, ohne eine Verfolgungsjagd auf Personen zu eröffnen ?
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Antwort
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Pred/Prod ist durch die Nazis komprommittiert
- In der Rhetorik von "Mein Kampf" findet man manches P/P-ähnliche Rhetorik
P/P ist "struktureller Antisemitismus", s. auch "Struktureller Antisemitismus und verkürzte Kapitalismuskritik"
Das heutige deutsche Arbeitnehmer-Erfindergesetz hat seine Grundlage in der Gesetzgebung des 3. Reiches; es ging darum, lohnabhängige Ingenieursgenies (prods) unter besonderen Schutz des Staates zu nehmen, s. http://swpat.ffii.org/papiere/boch97-gispen-ns/
Antwort
- Nazis haben lediglich eine Rhetorik opportunistisch benutzt, die in den 20er Jahren populär war
Antwort von CR auf Vorwurf des "strukturellen Antisemitismus"
- Selbst wenn die Nazis etwas verwendet haben, ist es dadurch nicht diskreditiert, s. Arbeitnehmererfindergesetz.
